Retinitis Pigmentosa
- Was ist das eigentlich?
Der Begriff "Retinitis Pigmentosa" (RP) bezeichnet eine Gruppe von Augenerkrankungen, bei denen es auf bisher ungeklärte Weise zu einem allmählichen Absterben der Netzhaut, der lichtempfindlichen Schicht im Auge, kommt. Beim "klassischen" Verlauf schränkt sich das Gesichtsfeld von RP-Betroffenen allmählich von
den Außengrenzen her ein, bis nur ein kleiner, zentraler Sehrest übrig bleibt, üblicherweise als "Tunnelblick oder Röhrengesichtsfeld" bezeichnet. Mit diesem Röhrengesichtsfeld sieht der Betroffene nur diejenigen Gegenstände, welche er direkt anschaut, nicht aber die zur Orientierung ebenfalls wichtigen Objekte außerhalb der Blicklinie. Nicht selten kann es auch zur völligen Erblindung kommen.
Die Sehbehinderung durch Retinitis Pigmentosa tritt bisweilen schon im frühen Kindesalter auf, entwickelt sich aber häufig erst beim Heranwachsenden, manchmal auch noch später. Der normalerweise schleichende Charakter der Erkrankung kann dazu führen, daß das Leiden erst nach dem 20. Lebensjahr entdeckt wird,
wenn ein Betroffener auffällige Sehprobleme hat und ein Augenarzt nach gründlichen Untersuchungen und gezielten Fragen die Diagnose "Retinitis Pigmentosa" stellt. Die Netzhaut ist die lichtempfindliche Schicht im Auge. Sie ist in gewisser Weise mit dem Film im Photoapparat zu vergleichen. In der Netzhaut geschieht die Umwandlung von Licht in Sinneserregung durch die Sehzellen, die Stäbchen und Zapfen.Die Signale von Stäbchen und Zapfen werden in der Netzhaut verarbeitet und dann durch den Sehnerv dem Gehirn zugeleitet. Dort kommt es zur eigentlichen Sehwahrnehmung. In der Netzhaut ergänzen sich die Stäbchen und Zapfen in ihren Aufgaben beim Sehen. Die Stäbchen sind jene Zellen, die das Sehen im Dämmerlicht und bei Nacht bewerkstelligen. Sie besiedeln vornehmlich die Außenzonen der Netzhaut. Die Zapfen sind für das Tagessehen und für Farbwahrnehmung zuständig; sie kontrollieren außerdem die Mitte des Gesichtsfeldes, den Bereich der Blicklinie, die Zone der besten Sehschärfe. Man liest normalerweise mit den Zapfen.Wesentliche Zeichen der "klassischen" Retinitis Pigmentosa sind folgende: Der Betroffene hat Schwierigkeiten, sich nachts oder in dunkler Umgebung zu orientieren. Die langsame oder unvollständige Anpassung an die Dunkelheit stellt sich zumeist allmählich in der Jugend ein und entwickelt sich zur völligen Nachtblindheit - im allgemeinen das erste deutliche Anzeichen für Retinitis Pigmentosa.
Im Zuge der Gesichtsfeldverengung wird bei den RP-Betroffenen zunächst die Funktion der Stäbchen beeinträchtigt. Außenzonen (die Peripherie) des Gesichtsfeldes werden als erstes von RP betroffen. Das Gesichtsfeld des gesunden Menschen ist bei Benutzung beider Augen ca. 180 Grad weit. Es vermittelt eine Panoramasicht, wobei aber nicht alle Zonen funktionell gleichwertig sind. Die Gesichtsfeldmitte, der Bereich der Blicklinie (sog. Makula), hat die beste Sehschärfe und ist damit von besonderer Wichtigkeit für das Unterscheiden von feinen Details, z. B. auch für das Erkennen von Gesichtern und das Lesen von Texten. Die
Gesichtsfeldmitte mit der Blicklinie bleibt im Verlauf der RP lange, bei vielen Betroffenen sogar lebenslang, erhalten. Während das zentrale Gesichtsfeld mit seiner Sehschärfe dazu dient die Dinge anzuschauen und zu identifizieren, werden die Außenzonen des Gesichtsfeldes für die Orientierung im Raum benötigt.
Später kommt es auch zur Beeinträchtigung der Zapfenfunktion. Dies führt zu Störungen des Kontrastsehens und zur Herabsetzung von Sehschärfe und Lesevermögen Das Bedürfnis des nachtblinden RP-Betroffenen nach einer dunklen Brille erscheint zunächst widersprüchlich. Es wird aber aus zwei Gründen verständlich. Das einfallende Licht wird an den häufig vorhandenen nsentrübungen gestreut und verursacht dadurch Blendung. Die hier beschriebene Verlaufsform des Gesichtsfeldverfalls bei Retinitis Pigmentosa entspricht dem häufigen Typus des Leidens ("klassischer Typus"). Eine Reihe weiterer Typen können vorkommen, die sich durch die Art und durch den Beginn des Gesichtsfeldausfalles unterscheiden. So kann es z. B. zu sektorenförmigen, seltener auch zu einseitigen oder zu perizentralem (ringförmig dicht um die Gesichtsfeldmitte angeordnetem) B fall kommen. Möglich sind auch ein diffuser (ohne Bevorzugung bestimmter Gesichtsfeldpartien) oder ein zentraler Befall - hierbei beginnt der Schaden ausnahmsweise in der Gesichtsfeldmitte (inverse RP)
Auszug von
Ortegalinik
Zu weiteren Informationen zu Retinitis Pigmentosa und anderen Netzhauterkrankungen empfehle ich die Homepage von Pro Retina Deutschland .
Pro Retina